1867

Eröffnung der ersten Berliner Markthalle – ein Gebäude mit riesigen Dimensionen, das sich jedoch schnell als unrentabel erweist.

1873

Umbau des Hauses in eine Zirkusarena mit 5.000 Plätzen: In den nächsten Jahrzehnten begeistern Zirkus Salamonsky, Renz und Schumann die Berliner mit ihren Artisten und Sensationen. Daher lautet die Anschrift des alten Palastes auch “Am Zirkus 1″.

1910

Erstmals inszeniert Max Reinhardt in der zur großen Arena umgebauten Markthalle Theateraufführungen.

1919

Reinhardt wird Eigentümer. Umbau zum Theater mit 3.500 Plätzen. In den ehemaligen Stallungen im keller eröffnet im Dezember Reinhardts Kabarett “Schall und Rauch”.

1924

Erik Charell wird Direktor, inszeniert moderne Revuen und holt Stars wie La Jana oder die Comedian Harmonists an das Haus. Seine Revuen stehen bis heute für das Berlin der zwanziger Jahre.

1933

Umbenennung durch die Nazis zum „Theater des Volkes“. Nach Misserfolgen mit „artgemäßer Kunst“ Rückgriff auf die Operette. Paul Linckes „Frau Luna“ feiert ein Comeback und wird 400 Mal vor ausverkauftem Haus gezeigt. 1936 Schauplatz für Großaufführung der Nazi-Organisation „KdF“ („Kraft durch Freude“) während der Olympischen Spiele in Berlin.

1938

Abriss und Ausbau eines Teils der Innenarchitektur von Hans Poelzig (insb. Kuppel und Stalaktiten des Saales) als „entartete Kunst“. 1944 folgt dann die kriegsbedingte Schließung.

1945

Im März Zerstörung des Bühnenturms durch Bomben. Nach Kriegsende Wiedereröffnung des Hauses als „Palast-Varieté“ mit 3.500 Plätzen im Mai 1945 durch die Artistin Marion Spadoni. International besetzte Nummernprogramme – vorwiegend mit Artistik – werden aufgeführt. Erstmals steht ein Kinderensemble auf der Bühne.

1947

Übergang in kommunalen Besitz. Nicola Lupo übernimmt die künstlerische Leitung. Die Programme erhalten mehr Tanzelemente und Revuecharakter. Das Bühnenhaus wird wieder hergestellt. Am 1. November Umbenennung in FriedrichstadtPalast.

1954

Der neue Direktor Gottfried Herrmann legt den Grundstein für die heutige Form von Revuetheater. Weltberühmte Ensembles wie das Bolschoi-Ballett, das Indische Nationalballett oder der Moskauer Staatszirkus treten auf.

1961-1963

Erstmals werden große „Handlungsrevuen“. aufgeführt. Weltstars wie Ella Fitzgerals, Juliette Gréco oder Gilbert Bècaud treten mit Soloprogrammen auf. Im Oktober 1963 tritt Wolfgang E. Struck die Nachfolge von Gottfried Herrmann an.

1972

wird der erste „Kessel Buntes“ für das DDR-Fernsehen ausgestrahlt.

Das Moderatorenteam bestand anfangs aus den “3 Dialektikern”.

1980

Schließung des alten Hauses wegen maroder Bausubstanz.

Der letzte Applaus im alten Haus.

1984

Am 27. April Eröffnung des Neuen FriedrichstadtPalastes. Er ist der letzte große Prachtbau der langsam untergehenden DDR: ein Show-Palast mit modernster technischer Ausstattung und 1.895 Plätzen. Wegen „kritischer Scherze“ im Angesicht der versammelten SED-Staatsspitze wird ein Teil der Eröffnungs-Moderation von O.F. Weidling für das Fernsehen gekürzt. Er erhält danach de facto Auftrittsverbot.

1985/86

Abriss des alten Palast-Gebäudes.

1989

Mauerfall und Wende: Unsicherheit bei Ensemble und Publikum über die kulturpolitische Entwicklung des Hauses, sinkende Besucherzahlen.

1993

Intendant Alexander Iljinskij übernimmt die Leitung des Hauses und führt das von Abwicklung bedrohte Haus zurück in eine erfolgreiche Ära, die bis 2004 dauern wird.

1995

Überführung des Hauses in eine landeseigene GmbH (100%-Eigentümer ist das Land Berlin).

2001

Die Stadt Berlin und der FriedrichstadtPalast ehren Marlene Dietrich zu ihrem 100. Geburtstag mit einer Show.

2004

Thomas Münstermann und Guido Herrmann übernehmen als „Doppelspitze“ die Leitung des Hauses.

2005

60 Jahre „Kinder spielen für Kinder“.

2007

1. November: 60-jähriges Namensjubiläum „FriedrichstadtPalast“. Am selben Tag wird Dr. Berndt Schmidt Intendant des Hauses. Seine Vision: Die Revue als große Showunterhaltung ins 21. Jahrhundert zu bringen.

2009

Der neue FriedrichstadtPalast feiert sein 25. Jubiläum. Auf dem Gelände des alten Palast-Gebäudes wird der Baugrund für einen Edelwohnkomplex nach Entwürfen des Architekten Philippe Starck vorbereitet.

Der FriedrichstadtPalast macht den höchsten Ticketumsatz seiner langen Geschichte. Damit ist die Trendwende geschafft.

Geschichte

Seit fast hundert Jahren kennt man in Berlin diese erste Adresse für farbenprächtige und mitreißende Show-Unterhaltung. Schon 1910 bespielte Max Reinhard den ursprünglich als Markthalle errichteten alten Palast, damals noch am Schiffbauerdamm. 1980 musste der Alte FriedrichstadtPalast geschlossen werden, da sich der Untergrund gesenkt und der Bau dadurch statisch verzogen hatte. Am 27. April 1984 wurde der Neue FriedrichstadtPalast an der Friedrichstraße 107 als letzter großer Prachtbau der damals schon langsam versinkenden DDR neu eröffnet.

Werner Hoffmann schuf den großen Saal mit 1.895 Plätzen, Haupt-, Seiten-, Hinter- und Vorbühne, Eisfläche, Wasserbecken und Manege. Werner Schön entwarf das Bühnenhaus mit dem 32 m hohen Turm und Herbert Knopf die Ausführungsprojektierung der Fassade aus geschosshohen, in Matrizen vorgefertigten Bauelementen. Die vier Außenreliefs wurden von der Künstlerin Emilia Nikolova-Bayer gefertigt. Horst Meyer entwarf das Foyer.

In der Friedrichstraße 107 wird die große Tradition der Revue fortgeführt. Allabendlich lassen sich hier die Freunde des Show-Entertainments auf allerhöchstem Niveau unterhalten: Mit phantastischen Kostümen und opulenten Bühnenbildern, mit großartigen Choreographien und mitreißender Musik, mit atemberaubender Artistik und natürlich den 64 schönsten Beinen der Welt – der legendären Girlreihe. Aber auch die größten Namen der Showbranche standen schon auf der Bühne dieses legendären Hauses. Um nur ein paar zu nennen: Josephine Baker, Shirley Bassey, Joe Cocker, Phil Collins, Udo Jürgens, Hildegard Knef, Liza Minnelli und Caterina Valente.